18. Nirars wahren Pläne
Merlin hatte ein schlechtes Gefühl im Magen. Er sah seinem König hinterher, der immer weiter in der Ferne verschwand, bis er schließlich nicht mehr zu sehen war. Etwas stimmte hier nicht. Lassar war nicht zu trauen, und auch, wenn er Arthur und die Ritter zu Nirar führen sollte, wusste Merlin nicht, was er danach tun würde. Was hielt Lassar davon ab, sie zu verraten? Wenn bis dahin nicht ohnehin Nirars Wächter auf sie aufmerksam geworden waren? Ihn wunderte ohnehin, dass sie noch niemand aufgespürt hatte…
Merlin wusste, was sie zu tun hatten. Er fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken, sich seinem Herrn zu widersetzen, doch dieses Mal musste es sein. Er blickte zu Elle und den Mädchen und diese ahnten, beziehungsweise Leeana wusste, was er vorhatte. Langsam nickten sie. Es war beschlossen. Sie würden, entgegen Arthurs Willen ihrem Plan folgen und sich gefangen nehmen lassen.
Langsam erhoben sie sich aus ihrem Versteck und Merlin begann, in eine Richtung zu laufen, die ihm sein Gefühl vorgab. Er wusste selber nicht, was dies zu bedeuten hatte, dennoch lief er diesem Gefühl hinterher - und die Mädchen folgten ihm. Direkt hinter ihm lief Leeana, die seine Hand nahm; Merlin drückte sie um ihr zu zeigen, dass er bei ihr war. Hinter Leeana folgte Jade. Und ganz zum Schluss lief Elle, deren Gefühle immer noch gespalten waren. Wirklich wohl fühlte sie sich nicht bei Merlins und Leeanas Plan, der zur Folge haben würde, dass sie alle gefangen genommen und dann ihre Kräfte verlieren würden. Elle wusste nicht wirklich, was sie davon halten sollte und vor allem hatte sie keine Ahnung, wie sie so - ungeschützt - gegen die dunkle Hexe Morgana antreten sollten… Dennoch hatte auch sie keine Ahnung, wie sie in einer normalen Situation gegen sie kämpfen sollten ohne Gefahr zu laufen, ihre Kräfte zu verlieren - es war so oder so beinahe aussichtslos…
Auch Merlin gingen ähnliche Gedanken durch den Kopf: Tat er das richtige? Um ihn selbst machte er sich keine Sorgen, wenn es nur um ihn gegangen wäre, hätte er die Idee gar nicht so übel gefunden; doch es ging nicht nur um ihn. Leeana, Jade, Elle.. Er hatte eine Verantwortung den Mädchen und der Hüterin der Elemente gegenüber, und er fragte sich nun bereits zum gefühlten Hundertsten Male, ob er hier wirklich das richtige tat. Konnte er es wirklich verantworten, sie alle dieser Gefahr auszusetzen? Doch wie er bereits zuvor überlegt hatte, war er sich beinahe sicher, dass Nirars Schergen sie früher oder später finden würden - und so versuchte er sich zumindest einzureden, dass es besser wäre, es früher - und freiwillig - geschehen zu lassen…
Und dann war es schließlich soweit: Sie sahen Männer auf sie zukommen, die eindeutig Wärter zu sein schienen.
Sie hielten Waffen auf sie gerichtet und im nächsten Augenblick fühlte jeder von ihnen einen Stich in der Brust, ohne wirklich zu wissen, woher dieser gekommen war. Es ging so schnell, dass Merlin nicht einmal in der Lage gewesen war, sich in irgend einer Weise zu verteidigen. Sie sanken zusammen und die Wärter nahmen sie in Gewahrsam. Wenige Augenblicke später wurden alle vier gemeinsam in das Gefängnis gebracht, in dem auch Morgana gefangen gehalten wurde…
Diese hob den Kopf, als sie hörte, dass sich eine Veränderung um sie herum tat. Zuerst wurde es wieder dunkel in dem Raum, doch das war es nicht, was sie beunruhigte. Morgana wurde nervös. Anscheinend war wieder jemand gefangen genommen worden? Sie wusste mittlerweile genug, um sich denken zu können, dass es magische Wesen sein mussten, wenn diese hierher gebracht wurden.. Doch etwas in ihr begann zu rumoren, ohne dass sie wusste, weshalb genau. Aufs äußerste angespannt wartete sie darauf, dass das leicht bläuliche Licht wieder anging, das die ganze Zeit den Raum leicht erhellt hatte. Und schließlich war es soweit. Mit äußerster Spannung und Neugierde sah Morgana in eine bestimmte Richtung - eine innere Stimme “sagte” ihr, wohin sie schauen musste - und erstarrte. Was sie sah, ließ sie beinahe an ihrem Verstand zweifeln. DAS hatte sie nun in keinster Weise erwartet…
Vor ihr, in einem größeren Kasten, ebenfalls mit einer Magiebarriere abgeschirmt, lagen ihr Erzfeind Merlin, dessen engste Freundin Leeana, die er, wie Morgana wusste, mittlerweile beinahe als seine Schwester ansah, die Hüterin der Elemente und dieses andere Mädchen, das sie eigentlich für tot gehalten hatte; und sie alle waren quicklebendig! Abgesehen davon, dass sie nun ebenfalls Gefangene Nirars - und ihrer magischen Fähigkeiten beraubt waren…
Nachdem Morgana ihren ersten Schock überwunden hatte, begann sie, hemmungslos zu lachen. Ihr beinahe manisches Lachen übertraf alle anderen Geräusche des Raumes und steigerte sich immer mehr. Es wurde immer lauter, und schließlich wurden Merlin und die Mädchen, einschließlich Elle, langsam wach und hörten es. Sie alle bekamen Gänsehaut…
Währenddessen traten Arthur, seine Ritter und Lassar den Weg an, den Lassar ihnen beschrieb. Sie hatten keine Ahnung, ob dieser sie richtig führte, oder es eine Falle war, doch sie würden nicht kampflos aufgeben - egal was geschah.
Schließlich sahen sie tatsächlich vor sich ein Schloss. Es war majestätisch anzuschauen und vor allem Arthur hatte keinerlei Zweifel, dass es sich hierbei um ein königliches Schloss handelte. Noch waren keine Schergen, Söldner oder ähnliches auf sie zugekommen, doch dies würde sich garantiert bald ändern, davon war er überzeugt. Auch seine Ritter dachten ähnlich.
Arthur machte sich Gedanken um Merlin. Er hatte seinem engsten Berater und Freund zwar den Befehl gegeben, dort zu bleiben, wo er war, doch irgendwie hatte er ein ganz schlechtes Gefühl in der Magengegend. Er kannte Merlin gut genug, um zu wissen, dass dieser sich oft genug seinem Willen und Befehlen widersetzt hatte. Doch er konnte nur hoffen, dass es dieses Mal nicht so war, zudem es ja nicht nur um sein eigenes Leben, sondern auch um das der Mädchen und Elles ging. Arthur konnte nur hoffen, dass Merlin trotz allem dieses nicht so einfach aufs Spiel setzen würde…
Dann musste er in seinen Gedanken innehalten, denn schließlich war es soweit: Zwei Männer kamen auf sie zu, die eindeutig Ähnlichkeit mit Lassar hatten - es waren ebenfalls Söldner, wie Arthur und die Ritter eindeutig erkennen konnten, und sie hielten Schwerter in den Händen. Arthur hielt an und gab auch seinen Rittern den Befehl, stehen zu bleiben. Lancelot, Gwain und Leon befolgten den Befehl sofort und hielten Lassar in ihrer Mitte fest. Arthur nahm diesen am Arm und schob ihn nach vorne, den Söldnern entgegen. Dann sprach er, als die beiden Männer nah genug an sie heran getreten waren: “Wir haben diesen Mann gefangen genommen, als er in unsere Gegend eingedrungen und dort nach etwas gesucht hat! Wir wollen mit Eurem Herrn sprechen - und dieser Gefangene ist unser Pfand!”
Die Söldner ließen ihre Waffen in Position und sprachen leise miteinander; es schien beinahe so, als hätten sie etwas miteinander zu besprechen.
Dann sahen sie erneut zu Arthur und den Rittern und nickten langsam: “Nun gut… Unser König wird Euch sicherlich einiges zu fragen haben… Begleitet uns!” Dann wandten sie sich um, und Arthur folgte ihnen. Er nickte den Rittern zu und diese stießen Lassar vorwärts, dann liefen sie ebenfalls los. Keinem von ihnen war wirklich wohl bei der Sache und sie fragten sich, was sie wohl nun erwarten würde.
Dann waren sie am Schloss angekommen. Es war in der Tat imposant; und sogar Arthur konnte sich einiger lobender Gedanken nicht erwehren, doch dies würde er garantiert nicht laut von sich geben.
Nach weiteren Minuten, die sie durch große, steinerne Gänge liefen, kamen sie schließlich an eine riesige, bronzene Tür, an die die beiden Söldner zweimal klopften, bevor sie schließlich eintraten.
Es war soweit. Als Arthur in den Raum eintrat, sah er einen riesigen Thronsaal, der von innen voll Prunk und Pracht nur so strotzte. Er übertraf sogar seinen Thronsaal, wie Arthur beinahe neidvoll zugeben musste; doch dann riss er sich zusammen. Er war nicht hier, um sich an anderer Könige Pracht zu ergötzen.
Nirar saß auf seinem Thron - dass es sich dabei um Nirar handelte, war wohl klar, und starrte sie an. Schließlich sagte er, an Arthur gewandt: “Wie ich sehe, habt Ihr meinen verloren geglaubten Söldner gefunden - der, den ich ausgesandt hatte, um die Spur einer mächtigen Hexe aufzunehmen…” Dann wurde seine Stimme kälter, als er hinzufügte: “Wie Ihr sicherlich wisst, hat die Hexe den Weg in meine Welt mittlerweile gefunden - So ist es doch, oder? Deswegen seid Ihr doch hier!?”
Arthur und die Ritter schluckten. Er wusste also, wen er sich eingefangen hatte… Das machte die Sache natürlich schwieriger. Doch Nirar ließ sie nicht antworten, sondern fuhr fort: “Was denkt Ihr, bekommt Ihr, für die Freilassung meines Söldners? Wollt Ihr die Hexe zurück? Nun, ich kann nur sagen, dass dies keine so gute Idee wäre; noch hat sie keinerlei Mächte mehr - und es wäre doch sicherlich für Euch ein Segen, wenn dies so bliebe..
Dennoch ahne ich, dass es bald eine Entscheidung geben wird, der ich sehr entgegen sehe“…
Plötzlich hielt er inne und schien in etwas hinein zu sehen; eine Art Kugel, die neben ihm stand, und in der Arthur zuerst nichts außergewöhnliches erkennen konnte. Dann hörte er Nirar lachen. Sein Lachen dröhnte durch den Raum und Arthur wusste zwar nicht, weshalb aber irgendwie schwante ihm übles. Ihm wurde kalt. Und dann geschah es: Der König stand von seinem Thron auf und stieg die Stufen hinab, die vor ihm aufgebaut waren - und ging direkt auf Arthur und seine Ritter zu. Diese blieben standhaft dort wo sie waren, bis Nirar schließlich direkt vor Arthur stand und ihm in die Augen sah: “Ihr habt einen schlauen Plan ausgeheckt… Allerdings war es nicht schlau genug! Ich kann mir schon denken, was Eure magischen Helfer sich dabei gedacht haben; doch es wird leider nicht so funktionieren… Nun habe ich genau das, was ich mir immer gewünscht habe - die stärkste Macht der dunklen Seite; gepaart mit der stärksten Macht der hellen Seite. Und nun ist die Zeit gekommen, auf die ich gewartet habe - der Endkampf kann beginnen. Es wird nicht mehr lange dauern und die Magie der Nacht wird gegen die Magie des Tages antreten - in ihrer persönlichen Arena. Und dann wird sich zeigen, wer von beiden am stärksten ist - Morgana oder der Zauberer; Merlin! Ich fühle ihre Mächte; sie sind beide sehr, sehr stark, und noch habe ich sie unter Kontrolle! Aber jetzt, wo sie beide in meiner Gewalt sind, werde ich sie ihnen zurück geben - und wir werden sehen, wie stark Euer Zauberer wirklich ist!” Er lachte erneut.
Arthur und die Ritter hatten entgeistert zugehört. Zuerst hatte keiner von ihnen verstanden, von was dieser so genannte “König” da sprach, doch dann begriff Arthur. Es fröstelte ihn und eine Gänsehaut durchzog seinen gesamten Körper. Sie hatten Merlin, und vermutlich auch die Mädchen und Elle, gefangen genommen! Er konnte sich denken, dass Merlin sich seinem Befehl widersetzt hatte, so wie er es bereits befürchtet hatte, und unterdrückte einen Fluch. Und was er noch begriffen hatte war, dass der König genau dies die ganze Zeit geplant hatte! Er hatte eventuell die ganzen Gefangenen “gesammelt” um irgendwann an Morgana - und an Merlin - heran zu kommen.
Er wollte die beiden - um sie gegeneinander antreten zu lassen! Sie sollten sich bekämpfen! Arthur wich alle Farbe aus dem Gesicht. Was bezweckte er damit? Genau dies fragte er nun: “Was wollt Ihr mit diesem Kampf? Wenn die beiden gegeneinander kämpfen geht es um Leben und Tod! Morgana ist die Dunkelheit in Person; sie bringt Verderben, nicht nur über Camelot sondern über alle Länder, auch über Eures!”
Nirar sah ihn an und sein Lachen gefror: “Das weiß ich, König Arthur! Ich weiß auch, wer Ihr seid, und wessen Gefolgschaft Ihr Euer Eigen nennt! Merlin, der stärkste Zauberer dieser, unserer Welt. Und deswegen wollte ich heraus finden, wie weit die Hexe ist, und wie weit der Zauberer gehen würde, um diese zu vernichten. “Dank” des Dilettanten, den Ihr nun mit Euch führt, hat sie mein Land früher aufgespürt, als ich es eigentlich geplant hatte, eigentlich wollte ich erst einmal mehr Informationen über sie sammeln; aber nun habe ich sie in Gewahrsam. Vorerst ist sie genauso wenig in der Lage, ihre magischen Fähigkeiten anzuwenden, wie Euer Zauberer und seine kleinen Freundinnen, die bei ihm sind.. Diese werden es auch weiterhin nicht sein. Doch Merlin wird bald in den Genuss kommen, all seine Möglichkeiten auszuschöpfen! So wie Morgana ebenfalls. Wir werden ja sehen, wer von beiden die Oberhand gewinnt. Und dann werden wir sehen, ob das Land ins Dunkel - oder ins Licht getaucht wird - wer schließt welche Wetten ab?”
Arthur sah Nirar entgeistert an und suchte eine Spur von Ironie oder Spaß, doch er konnte nichts davon erkennen. Der König meinte es ernst! Arthur keuchte: “Ihr könnt Merlin nicht allen Ernstes gegen die Hexe antreten lassen; Wisst Ihr nicht, dass sie in der Lage ist, andere magische Fähigkeiten in sich aufzunehmen? Sie wird Merlins Magie zerstören - sie ihm wegnehmen und gegen ihn verwenden und auch gegen Euch!” Das letzte hatte er beinahe geschrieen. Doch Nirar blieb davon ungerührt: “Das wird wohl im schlimmsten Fall geschehen - doch wenn er sich geschickt anstellt, hat er vielleicht noch eine Chance. Wir werden sehen.” Dann blickte er zu seinen Wachen herüber und sagte kurz und knapp: “Und nun sorgt für eine angenehme Bleibe für unsere “Gäste”; ich will, dass sie ausgeruht sind, wenn morgen das “Spiel” beginnt!”
Und mit diesen Worten hob er die Hand und zwei der Wachen packten Arthur, der sich zu Beginn noch versuchte zu wehren. Auch die Ritter zogen ihre Waffen, doch diese wurden ihnen mit einem Schlag aus den Händen gerissen. Lassar war bereits befreit worden und schließlich gab Arthur seinen Rittern den Befehl, sich nicht mehr zur Wehr zu setzen. Er hatte es begriffen: Auch sie waren Gefangene; doch solange sie sich nicht wehrten und nicht kämpften, wurden sie wohl einigermaßen annehmbar behandelt. Außerdem musste er alles daran setzen, dafür zu sorgen, Merlin zu befreien, bevor dieser in die vermutlich aussichtslose Schlacht mit Morgana getrieben wurde. Und dafür mussten sie nun erst einmal die Füße still halten. Arthur und seine Ritter ließen es geschehen, dass sie in ihre “Zimmer” abgeführt wurden, die zwar alle sehr geräumig waren, und zumindest den Anschein von Gästezimmern hatten, dennoch wussten sie alle, dass sie eingesperrt waren; denn vor ihren Türen standen Wachposten und die Fenster waren vergittert. Zudem waren sie vorab entwaffnet worden.
Arthur fluchte und nun beschimpfte er lautstark seinen nichtsnutzigen Berater und Freund, der einmal sein engster Diener gewesen war - und von dem er seit einigen Jahren wusste, dass er über magische Fähigkeiten verfügte. Doch noch stärker als diese war sein Dickschädel, der ihn immer wieder in die übelsten und gefährlichsten Situationen hinein brachte; und dieses Mal wusste selbst Arthur nicht, wie er ihn dort wieder heraus holen konnte. Merlin musste es irgendwie schaffen, den bevorstehenden Kampf gegen Morgana zu gewinnen - und Arthur ahnte, nein, er wusste, dass es beinahe aussichtslos sein würde. Merlin hatte starke Kräfte, dass wusste Arthur, doch genau das würde dieses Mal sein Verhängnis sein; wie er es bereits selbst angemerkt hatte, würde Morgana sich dank ihrer Fähigkeiten, seine Kräfte einverleiben - und dann war alles aus! Arthur sank auf sein Bett, das zugegebenermaßen sehr weich war - und starrte verzweifelt an die Decke…
Merlin wusste, was sie zu tun hatten. Er fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken, sich seinem Herrn zu widersetzen, doch dieses Mal musste es sein. Er blickte zu Elle und den Mädchen und diese ahnten, beziehungsweise Leeana wusste, was er vorhatte. Langsam nickten sie. Es war beschlossen. Sie würden, entgegen Arthurs Willen ihrem Plan folgen und sich gefangen nehmen lassen.
Langsam erhoben sie sich aus ihrem Versteck und Merlin begann, in eine Richtung zu laufen, die ihm sein Gefühl vorgab. Er wusste selber nicht, was dies zu bedeuten hatte, dennoch lief er diesem Gefühl hinterher - und die Mädchen folgten ihm. Direkt hinter ihm lief Leeana, die seine Hand nahm; Merlin drückte sie um ihr zu zeigen, dass er bei ihr war. Hinter Leeana folgte Jade. Und ganz zum Schluss lief Elle, deren Gefühle immer noch gespalten waren. Wirklich wohl fühlte sie sich nicht bei Merlins und Leeanas Plan, der zur Folge haben würde, dass sie alle gefangen genommen und dann ihre Kräfte verlieren würden. Elle wusste nicht wirklich, was sie davon halten sollte und vor allem hatte sie keine Ahnung, wie sie so - ungeschützt - gegen die dunkle Hexe Morgana antreten sollten… Dennoch hatte auch sie keine Ahnung, wie sie in einer normalen Situation gegen sie kämpfen sollten ohne Gefahr zu laufen, ihre Kräfte zu verlieren - es war so oder so beinahe aussichtslos…
Auch Merlin gingen ähnliche Gedanken durch den Kopf: Tat er das richtige? Um ihn selbst machte er sich keine Sorgen, wenn es nur um ihn gegangen wäre, hätte er die Idee gar nicht so übel gefunden; doch es ging nicht nur um ihn. Leeana, Jade, Elle.. Er hatte eine Verantwortung den Mädchen und der Hüterin der Elemente gegenüber, und er fragte sich nun bereits zum gefühlten Hundertsten Male, ob er hier wirklich das richtige tat. Konnte er es wirklich verantworten, sie alle dieser Gefahr auszusetzen? Doch wie er bereits zuvor überlegt hatte, war er sich beinahe sicher, dass Nirars Schergen sie früher oder später finden würden - und so versuchte er sich zumindest einzureden, dass es besser wäre, es früher - und freiwillig - geschehen zu lassen…
Und dann war es schließlich soweit: Sie sahen Männer auf sie zukommen, die eindeutig Wärter zu sein schienen.
Sie hielten Waffen auf sie gerichtet und im nächsten Augenblick fühlte jeder von ihnen einen Stich in der Brust, ohne wirklich zu wissen, woher dieser gekommen war. Es ging so schnell, dass Merlin nicht einmal in der Lage gewesen war, sich in irgend einer Weise zu verteidigen. Sie sanken zusammen und die Wärter nahmen sie in Gewahrsam. Wenige Augenblicke später wurden alle vier gemeinsam in das Gefängnis gebracht, in dem auch Morgana gefangen gehalten wurde…
Diese hob den Kopf, als sie hörte, dass sich eine Veränderung um sie herum tat. Zuerst wurde es wieder dunkel in dem Raum, doch das war es nicht, was sie beunruhigte. Morgana wurde nervös. Anscheinend war wieder jemand gefangen genommen worden? Sie wusste mittlerweile genug, um sich denken zu können, dass es magische Wesen sein mussten, wenn diese hierher gebracht wurden.. Doch etwas in ihr begann zu rumoren, ohne dass sie wusste, weshalb genau. Aufs äußerste angespannt wartete sie darauf, dass das leicht bläuliche Licht wieder anging, das die ganze Zeit den Raum leicht erhellt hatte. Und schließlich war es soweit. Mit äußerster Spannung und Neugierde sah Morgana in eine bestimmte Richtung - eine innere Stimme “sagte” ihr, wohin sie schauen musste - und erstarrte. Was sie sah, ließ sie beinahe an ihrem Verstand zweifeln. DAS hatte sie nun in keinster Weise erwartet…
Vor ihr, in einem größeren Kasten, ebenfalls mit einer Magiebarriere abgeschirmt, lagen ihr Erzfeind Merlin, dessen engste Freundin Leeana, die er, wie Morgana wusste, mittlerweile beinahe als seine Schwester ansah, die Hüterin der Elemente und dieses andere Mädchen, das sie eigentlich für tot gehalten hatte; und sie alle waren quicklebendig! Abgesehen davon, dass sie nun ebenfalls Gefangene Nirars - und ihrer magischen Fähigkeiten beraubt waren…
Nachdem Morgana ihren ersten Schock überwunden hatte, begann sie, hemmungslos zu lachen. Ihr beinahe manisches Lachen übertraf alle anderen Geräusche des Raumes und steigerte sich immer mehr. Es wurde immer lauter, und schließlich wurden Merlin und die Mädchen, einschließlich Elle, langsam wach und hörten es. Sie alle bekamen Gänsehaut…
Währenddessen traten Arthur, seine Ritter und Lassar den Weg an, den Lassar ihnen beschrieb. Sie hatten keine Ahnung, ob dieser sie richtig führte, oder es eine Falle war, doch sie würden nicht kampflos aufgeben - egal was geschah.
Schließlich sahen sie tatsächlich vor sich ein Schloss. Es war majestätisch anzuschauen und vor allem Arthur hatte keinerlei Zweifel, dass es sich hierbei um ein königliches Schloss handelte. Noch waren keine Schergen, Söldner oder ähnliches auf sie zugekommen, doch dies würde sich garantiert bald ändern, davon war er überzeugt. Auch seine Ritter dachten ähnlich.
Arthur machte sich Gedanken um Merlin. Er hatte seinem engsten Berater und Freund zwar den Befehl gegeben, dort zu bleiben, wo er war, doch irgendwie hatte er ein ganz schlechtes Gefühl in der Magengegend. Er kannte Merlin gut genug, um zu wissen, dass dieser sich oft genug seinem Willen und Befehlen widersetzt hatte. Doch er konnte nur hoffen, dass es dieses Mal nicht so war, zudem es ja nicht nur um sein eigenes Leben, sondern auch um das der Mädchen und Elles ging. Arthur konnte nur hoffen, dass Merlin trotz allem dieses nicht so einfach aufs Spiel setzen würde…
Dann musste er in seinen Gedanken innehalten, denn schließlich war es soweit: Zwei Männer kamen auf sie zu, die eindeutig Ähnlichkeit mit Lassar hatten - es waren ebenfalls Söldner, wie Arthur und die Ritter eindeutig erkennen konnten, und sie hielten Schwerter in den Händen. Arthur hielt an und gab auch seinen Rittern den Befehl, stehen zu bleiben. Lancelot, Gwain und Leon befolgten den Befehl sofort und hielten Lassar in ihrer Mitte fest. Arthur nahm diesen am Arm und schob ihn nach vorne, den Söldnern entgegen. Dann sprach er, als die beiden Männer nah genug an sie heran getreten waren: “Wir haben diesen Mann gefangen genommen, als er in unsere Gegend eingedrungen und dort nach etwas gesucht hat! Wir wollen mit Eurem Herrn sprechen - und dieser Gefangene ist unser Pfand!”
Die Söldner ließen ihre Waffen in Position und sprachen leise miteinander; es schien beinahe so, als hätten sie etwas miteinander zu besprechen.
Dann sahen sie erneut zu Arthur und den Rittern und nickten langsam: “Nun gut… Unser König wird Euch sicherlich einiges zu fragen haben… Begleitet uns!” Dann wandten sie sich um, und Arthur folgte ihnen. Er nickte den Rittern zu und diese stießen Lassar vorwärts, dann liefen sie ebenfalls los. Keinem von ihnen war wirklich wohl bei der Sache und sie fragten sich, was sie wohl nun erwarten würde.
Dann waren sie am Schloss angekommen. Es war in der Tat imposant; und sogar Arthur konnte sich einiger lobender Gedanken nicht erwehren, doch dies würde er garantiert nicht laut von sich geben.
Nach weiteren Minuten, die sie durch große, steinerne Gänge liefen, kamen sie schließlich an eine riesige, bronzene Tür, an die die beiden Söldner zweimal klopften, bevor sie schließlich eintraten.
Es war soweit. Als Arthur in den Raum eintrat, sah er einen riesigen Thronsaal, der von innen voll Prunk und Pracht nur so strotzte. Er übertraf sogar seinen Thronsaal, wie Arthur beinahe neidvoll zugeben musste; doch dann riss er sich zusammen. Er war nicht hier, um sich an anderer Könige Pracht zu ergötzen.
Nirar saß auf seinem Thron - dass es sich dabei um Nirar handelte, war wohl klar, und starrte sie an. Schließlich sagte er, an Arthur gewandt: “Wie ich sehe, habt Ihr meinen verloren geglaubten Söldner gefunden - der, den ich ausgesandt hatte, um die Spur einer mächtigen Hexe aufzunehmen…” Dann wurde seine Stimme kälter, als er hinzufügte: “Wie Ihr sicherlich wisst, hat die Hexe den Weg in meine Welt mittlerweile gefunden - So ist es doch, oder? Deswegen seid Ihr doch hier!?”
Arthur und die Ritter schluckten. Er wusste also, wen er sich eingefangen hatte… Das machte die Sache natürlich schwieriger. Doch Nirar ließ sie nicht antworten, sondern fuhr fort: “Was denkt Ihr, bekommt Ihr, für die Freilassung meines Söldners? Wollt Ihr die Hexe zurück? Nun, ich kann nur sagen, dass dies keine so gute Idee wäre; noch hat sie keinerlei Mächte mehr - und es wäre doch sicherlich für Euch ein Segen, wenn dies so bliebe..
Dennoch ahne ich, dass es bald eine Entscheidung geben wird, der ich sehr entgegen sehe“…
Plötzlich hielt er inne und schien in etwas hinein zu sehen; eine Art Kugel, die neben ihm stand, und in der Arthur zuerst nichts außergewöhnliches erkennen konnte. Dann hörte er Nirar lachen. Sein Lachen dröhnte durch den Raum und Arthur wusste zwar nicht, weshalb aber irgendwie schwante ihm übles. Ihm wurde kalt. Und dann geschah es: Der König stand von seinem Thron auf und stieg die Stufen hinab, die vor ihm aufgebaut waren - und ging direkt auf Arthur und seine Ritter zu. Diese blieben standhaft dort wo sie waren, bis Nirar schließlich direkt vor Arthur stand und ihm in die Augen sah: “Ihr habt einen schlauen Plan ausgeheckt… Allerdings war es nicht schlau genug! Ich kann mir schon denken, was Eure magischen Helfer sich dabei gedacht haben; doch es wird leider nicht so funktionieren… Nun habe ich genau das, was ich mir immer gewünscht habe - die stärkste Macht der dunklen Seite; gepaart mit der stärksten Macht der hellen Seite. Und nun ist die Zeit gekommen, auf die ich gewartet habe - der Endkampf kann beginnen. Es wird nicht mehr lange dauern und die Magie der Nacht wird gegen die Magie des Tages antreten - in ihrer persönlichen Arena. Und dann wird sich zeigen, wer von beiden am stärksten ist - Morgana oder der Zauberer; Merlin! Ich fühle ihre Mächte; sie sind beide sehr, sehr stark, und noch habe ich sie unter Kontrolle! Aber jetzt, wo sie beide in meiner Gewalt sind, werde ich sie ihnen zurück geben - und wir werden sehen, wie stark Euer Zauberer wirklich ist!” Er lachte erneut.
Arthur und die Ritter hatten entgeistert zugehört. Zuerst hatte keiner von ihnen verstanden, von was dieser so genannte “König” da sprach, doch dann begriff Arthur. Es fröstelte ihn und eine Gänsehaut durchzog seinen gesamten Körper. Sie hatten Merlin, und vermutlich auch die Mädchen und Elle, gefangen genommen! Er konnte sich denken, dass Merlin sich seinem Befehl widersetzt hatte, so wie er es bereits befürchtet hatte, und unterdrückte einen Fluch. Und was er noch begriffen hatte war, dass der König genau dies die ganze Zeit geplant hatte! Er hatte eventuell die ganzen Gefangenen “gesammelt” um irgendwann an Morgana - und an Merlin - heran zu kommen.
Er wollte die beiden - um sie gegeneinander antreten zu lassen! Sie sollten sich bekämpfen! Arthur wich alle Farbe aus dem Gesicht. Was bezweckte er damit? Genau dies fragte er nun: “Was wollt Ihr mit diesem Kampf? Wenn die beiden gegeneinander kämpfen geht es um Leben und Tod! Morgana ist die Dunkelheit in Person; sie bringt Verderben, nicht nur über Camelot sondern über alle Länder, auch über Eures!”
Nirar sah ihn an und sein Lachen gefror: “Das weiß ich, König Arthur! Ich weiß auch, wer Ihr seid, und wessen Gefolgschaft Ihr Euer Eigen nennt! Merlin, der stärkste Zauberer dieser, unserer Welt. Und deswegen wollte ich heraus finden, wie weit die Hexe ist, und wie weit der Zauberer gehen würde, um diese zu vernichten. “Dank” des Dilettanten, den Ihr nun mit Euch führt, hat sie mein Land früher aufgespürt, als ich es eigentlich geplant hatte, eigentlich wollte ich erst einmal mehr Informationen über sie sammeln; aber nun habe ich sie in Gewahrsam. Vorerst ist sie genauso wenig in der Lage, ihre magischen Fähigkeiten anzuwenden, wie Euer Zauberer und seine kleinen Freundinnen, die bei ihm sind.. Diese werden es auch weiterhin nicht sein. Doch Merlin wird bald in den Genuss kommen, all seine Möglichkeiten auszuschöpfen! So wie Morgana ebenfalls. Wir werden ja sehen, wer von beiden die Oberhand gewinnt. Und dann werden wir sehen, ob das Land ins Dunkel - oder ins Licht getaucht wird - wer schließt welche Wetten ab?”
Arthur sah Nirar entgeistert an und suchte eine Spur von Ironie oder Spaß, doch er konnte nichts davon erkennen. Der König meinte es ernst! Arthur keuchte: “Ihr könnt Merlin nicht allen Ernstes gegen die Hexe antreten lassen; Wisst Ihr nicht, dass sie in der Lage ist, andere magische Fähigkeiten in sich aufzunehmen? Sie wird Merlins Magie zerstören - sie ihm wegnehmen und gegen ihn verwenden und auch gegen Euch!” Das letzte hatte er beinahe geschrieen. Doch Nirar blieb davon ungerührt: “Das wird wohl im schlimmsten Fall geschehen - doch wenn er sich geschickt anstellt, hat er vielleicht noch eine Chance. Wir werden sehen.” Dann blickte er zu seinen Wachen herüber und sagte kurz und knapp: “Und nun sorgt für eine angenehme Bleibe für unsere “Gäste”; ich will, dass sie ausgeruht sind, wenn morgen das “Spiel” beginnt!”
Und mit diesen Worten hob er die Hand und zwei der Wachen packten Arthur, der sich zu Beginn noch versuchte zu wehren. Auch die Ritter zogen ihre Waffen, doch diese wurden ihnen mit einem Schlag aus den Händen gerissen. Lassar war bereits befreit worden und schließlich gab Arthur seinen Rittern den Befehl, sich nicht mehr zur Wehr zu setzen. Er hatte es begriffen: Auch sie waren Gefangene; doch solange sie sich nicht wehrten und nicht kämpften, wurden sie wohl einigermaßen annehmbar behandelt. Außerdem musste er alles daran setzen, dafür zu sorgen, Merlin zu befreien, bevor dieser in die vermutlich aussichtslose Schlacht mit Morgana getrieben wurde. Und dafür mussten sie nun erst einmal die Füße still halten. Arthur und seine Ritter ließen es geschehen, dass sie in ihre “Zimmer” abgeführt wurden, die zwar alle sehr geräumig waren, und zumindest den Anschein von Gästezimmern hatten, dennoch wussten sie alle, dass sie eingesperrt waren; denn vor ihren Türen standen Wachposten und die Fenster waren vergittert. Zudem waren sie vorab entwaffnet worden.
Arthur fluchte und nun beschimpfte er lautstark seinen nichtsnutzigen Berater und Freund, der einmal sein engster Diener gewesen war - und von dem er seit einigen Jahren wusste, dass er über magische Fähigkeiten verfügte. Doch noch stärker als diese war sein Dickschädel, der ihn immer wieder in die übelsten und gefährlichsten Situationen hinein brachte; und dieses Mal wusste selbst Arthur nicht, wie er ihn dort wieder heraus holen konnte. Merlin musste es irgendwie schaffen, den bevorstehenden Kampf gegen Morgana zu gewinnen - und Arthur ahnte, nein, er wusste, dass es beinahe aussichtslos sein würde. Merlin hatte starke Kräfte, dass wusste Arthur, doch genau das würde dieses Mal sein Verhängnis sein; wie er es bereits selbst angemerkt hatte, würde Morgana sich dank ihrer Fähigkeiten, seine Kräfte einverleiben - und dann war alles aus! Arthur sank auf sein Bett, das zugegebenermaßen sehr weich war - und starrte verzweifelt an die Decke…

